Nyangoma Kogelo… heute unterwegs mit der Karfreitagsprozession!

Karfreitag in Nyangoma Kogelo!

Ich habe gelernt, dass es in Kenia mehr als 40 lokale Sprachen gibt, die sich sehr deutlich voneinander unterscheiden. Die meisten Kenianer sprechen neben ihrer Muttersprache (hier in Nyangoma Kogelo ist es Luo) Kisuaheli und Englisch. Mit Englisch komme ich also hier gut zu Recht, aber erst das eine oder andere Wort in Kisuaheli oder sogar in Luo öffnet mir die Herzen der Kenianer.

Irgendwie habe ich den Eindruck gewonnen, dass es neben den vielen lokalen Sprachen mindestens genauso viel christlich geprägte Religionen bzw. Ausrichtungen gibt. Und an Karfreitag durfte ich teilhaben an dem was die Katholiken in diesem kleinen Dorf zelebrieren.

Ich habe mich mit einem jungen Kenianer (der mir zur Begleitung an die Seite gestellt wurde auf den Weg in die katholische Kirche gemacht. Um 10 Uhr sollte dort die Karfreitagsprozession beginnen. Deutsch wie ich eben nun mal bin, war ich sehr pünktlich dort. Ich wurde freundlich begrüßt und ich setzte mich in die Kirchenbank in der Erwartung, dass es gleich beginnen würde… eine Stunde später saß ich immer noch in der Kirchenbank, nur war bisher noch nicht viel passiert, außer dass ich diverse Emotionen von ungeduldig bis hin zu entspannt durchlebt hatte. So langsam kamen dann auch immer mehr Kenianer in die Kirche, die meisten trugen ein rotes Hemd oder eine rote Bluse, um dem Karfreitag und seiner Besonderheit Ausdruck zu verleihen.

Der Gottesdienst begann dann etwas ungewöhnlich für mich. Nachdem der Priester einige Worte in Luo an die Gemeinde gerichtet hatte, mittlerweile hatten sich ca. 120 Personen in der Kirche versammelt, wurde ich persönlich begrüßt und musste einmal aufstehen und ein paar Worte an die Gemeinde richten. Ich habe Ihnen gesagt, dass ich mich freue, dass ich hier sein darf und mich in Luo mit „Erokamano“ bei ihnen bedankt. Dieses eine Wort in Luo hat so viel Freude bei den Anwesenden ausgelöst, dass herzlich gelacht und mir zugewunken wurde.

Dann ging es los… auf die Karfreitagsprozession mit gerahmten Bildern vom Kreuzweg Jesu, einem großen schweren Kreuz, getragen von einem jungen Kenianer und einem Pick-up, der eine Sound Anlage im Gepäck hatte, so dass Gebete und Gesänge per Mikrofon übertragen werden konnten.

Unterwegs wurde viel gebetet, gesungen und gekniet… ich habe nicht viel verstanden aber die Gesänge sehr genossen. Nur war es leider schon 12 Uhr geworden und wir sind aus dem Dorf hinaus genau in der Mittagshitze gewandert, was nicht nur mir was ausmachte, sondern auch dem ein oder anderem Kenianer, aber die Kenianer waren besser vorbereitet als ich es war und hatten Regenschirme gegen die Sonne dabei, na ja immerhin hatte ich an meinen Sonnenhut gedacht.

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Also wanderten, beten, sangen und knieten wir und irgendwie schien kein Ende in Sicht, stattdessen ging es immer weiter und weiter. Mein Begleiter war mir hier dann auch keine große Hilfe, da er nur wenig Englisch spricht und versteht und wir nur so weit kommunizieren konnten, dass unser Ziel wohl eine weitere Kirche in einem anderen Dorf ist, aber darüber wann wir wohl diese Kirche erreichen würden, konnten wir uns nicht verständigen. Also übte ich mich weiter in Geduld, nicht so meine Stärke, wie ihr ja wisst.

Langsam hatte ich mich an den Rhythmus dieser Strecke gewöhnt und ich empfand diese Wanderung als recht meditativ für mich. Unterwegs wurde ich immer wieder mit Mzungu, Mzungu (Weißer, Weißer) begrüßt und ich winkte allen freudig zu. Noch mehr habe ich mich aber darüber gefreut, wenn ich mit Manuela begrüßt wurde von Kindern oder Eltern, die mich aus der Sauti Kuu Foundation kennen. Ich bin angekommen, in einem kleinen Dorf, unweit des Victoriasees in Kenia und es fühlt sich nach einem zu Hause an.

3 Stunden später, war dann endlich eine weitere Kirche in Sicht, nachdem wir alle in die Kirche eingezogen waren und wieder gesunden wurde, wurde verkündet, dass es nun eine Pause von 1 Stunde geben würde, im Anschluss dann die Prozession zurück und es dann final noch einen großen Abschlussgottesdienst in der Kirche geben würden, von der wir heute frühe gestartet waren.

An dieser Stelle habe ich mich dann mit meinem Begleiter auf den Rückweg gemacht, was auch deutlich schneller ging als in einer Prozession mit 120 Menschen. Zurück in Nyngoma Kogelo ich war hungrig und durstig und wir gingen in das einzige lokale Restaurant hier, das Restaurant ist zwischenzeitlich schon zu meinem Stammlokal geworden, aber wen wundert das schon. Es gab bei mir Tee mit Milch und Gewürzen dazu Bohnen mit Chapati und Mandazi. (so lecker).

 

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Und auf einmal änderte sich minutenschnell das Wetter, gerade hatte ich noch das Gefühl, dass ich definitiv zu viel Sonne getankt hatte, gab es nun einen Wolkenbruch und es schüttete, wie aus Eimern, nicht genug, auf einmal fing es an zu Hageln (sehr ungewöhnlich hier am Rande angemerkt), also verbrachte ich die Zeit mit warten und beobachtete den Regen. Eine geschäftstüchtige Kenianerin kam ins Restaurant und bot uns geröstet Erdnüsse an, da habe ich natürlich zugegriffen und so wurde das Warten noch mit einem Snack versüßt.

Irgendwann hörte Regen dann so gut wie auf und wir gingen zurück zu Sauti Kuu, um dort 130 aufgeregte Kinder anzutreffen, die mir allen von dem Hagel erzählen wollten. Sie zeigten mir den Hagel und fragten, ob das der Schnee sei, von denen ich Ihnen aus Deutschland berichtet hatte.

So ging ein langer spannender Tag umgeben von Lokals dem Ende zu … was für ein perfekter Tag!

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